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Vom Einkaufswagen in den Warenkorb

Musikkassetten und Kodak-Filme für Ferienfotos landeten früher im Einkaufswagen und damit auch im Warenkorb für den Basler Index. Heute sind Milch auf pflanzlicher Basis oder E-Scooter ein fester Bestandteil: Der Warenkorb ist das zentrale Instrument, um die Preisentwicklung zu messen und gleichzeitig ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen.

Kuno Bucher

Wofür geben wir häufig Geld aus? Welche Produkte kaufen wir kaum noch? Diese Fragen verändern sich von Generation zu Generation. Der Warenkorb des Basler Index hält diese Verschiebungen seit über 100 Jahren fest und gibt einen Einblick in die Konsumgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.

Warenkorb als Spiegel unserer Konsumgeschichte

0% 25% 50% 75% 100% 1911193019501970199020102026Wohnen, EnergieNahrung, Getränke, TabakVerkehr, KommunikationFreizeitSonstigesBekleidungGesundheit

Vom Grundbedarf zur Wohlstandsgesellschaft

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand der Warenkorb ausschliesslich aus Nahrungsmitteln, Bekleidung und Ausgaben fürs Wohnen und Heizen – also zu 100 Prozent aus reinen Grundbedürfnissen. Heute machen diese Güter nur noch ein Drittel des Warenkorbs aus.

Weniger Ausgaben für Essen und Trinken

Besonders deutlich abgenommen hat der Stellenwert der Nahrungsmittel und Getränke: Um 1911 wendeten die Menschen am Rheinknie noch fast 60 Rappen jedes ausgegebenen Frankens für Lebensmittel auf. Heute sind es noch knapp 14 Rappen.

«Fast Fashion»

Auch Bekleidung hat im Warenkorb stark an Gewicht verloren. Heute machen Kleider und Schuhe noch 2,5 Prozent des Warenkorbs aus.

Fels in der Brandung

Kaum verändert hat sich das Gewicht der Wohnungsmieten: Mit 17,6 Prozent ist ihr Anteil über mehr als 100 Jahre verblüffend stabil geblieben. Der gesamte Bereich Wohnen und Energie steht 2026 mit rund 26 Prozent wieder dort, wo 1911 alles begann.

Gesundheit wird wichtiger

Seit ihrer Einführung 1966 hat die Hauptgruppe Gesundheit stark an Gewicht gewonnen: von 7 auf über 17 Prozent. Darin kommen Ausgaben für Medikamente, Arzt- und Zahnarztbesuche, Physiotherapie bis hin zur stationären Langzeitpflege zusammen.

Ölkrise hinterlässt Spuren

Die Ölpreiskrise der 1970er-Jahre schlug sich direkt im Warenkorb nieder: Bei der Revision 1977 schnellte das Gewicht der Hauptgruppe Verkehr von 9 auf 15 Prozent hoch. Seither hat sich der Anteil wieder bei rund 11 Prozent eingependelt.

Freizeit hat ihren Preis

Auch die Freizeitgesellschaft spiegelt sich im Warenkorb: Freizeit, Kultur, Bildung und Gastgewerbe kommen zusammen auf knapp 18 Prozent. Bei ihrer Einführung 1966 war die Hauptgruppe Bildung und Unterhaltung noch mit 5 Prozent gewichtet.

Lokale und nationale Preise

Zusammengestellt wird der Warenkorb durch das Bundesamt für Statistik (BFS) in Neuchâtel. Rund die Hälfte des Warenkorbgewichts wird gesamtschweizerisch erhoben. Dies betrifft die Hauptgruppen «Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke», «Alkoholische Getränke und Tabak», «Bekleidung und Schuhe», «Hausrat und Haushaltsführung» sowie «Information und Kommunikation».

Entwicklung des Warenkorbs

Die andere Hälfte besteht aus regionalen Positionen. Den grössten Posten bilden die Wohnungsmieten, die das Statistische Amt quartalsweise zum «Basler Mietpreisindex» zusammenführt. Neben den Mieten fliessen in die Hauptgruppe «Wohnen und Energie» auch Angaben zu selbstgenutztem Wohneigentum, Garagen- und Parkplatzmieten, Kehricht-, Wasser- und Abwassergebühren sowie Energiepreise ein. Weitere wichtige regionale Positionen betreffen die Gruppen «Gesundheit» (z. B. Spitaltarife, Pflegeleistungen der Spitex Basel), «Verkehr» (Treibstoffpreise bei regionalen Tankstellen, Gebühren in Basler Parkhäusern oder U-Abo-Preise), «Freizeit, Sport und Kultur» (Eintrittspreise ins Joggeli oder in den Basler Zolli) sowie «Restaurants und Hotels» (Konsumationspreise in Basler Restaurants und Personalkantinen).

Steter Wandel als Konstante

Da wir alle unser Konsumverhalten ändern, wird der Warenkorb alle fünf Jahre komplett revidiert und seit der Revision 2000 jährlich aktualisiert. Ziel ist es, die tatsächlichen Einkaufsgewohnheiten möglichst genau abzubilden. 

Die grossen Revisionen 1966 und 2000 haben den Warenkorb jeweils stark ausgebaut: 1966 kamen die Hauptgruppen «Verkehr», «Körper- und Gesundheitspflege» sowie «Bildung und Unterhaltung» hinzu, 2000 folgten «Nachrichtenübermittlung» und «Restaurants und Hotels». Mit der jüngsten Revision 2025 erhielten «Versicherungen und Finanzdienstleistungen» eine eigene 13. Hauptgruppe.

Wie unser Konsumverhalten selbst ist auch der Warenkorb ständig im Wandel. Die vier ursprünglichen Hauptgruppen existieren zwar bis heute – doch dominiert werden sie schon seit Jahrzehnten von den neun später hinzugekommenen Gruppen.

Wie wird die Preisentwicklung gemessen?

Das BFS berechnet neben dem Landesindex auch die regionalen Indices von Basel, Genf und Zürich. Monat für Monat werden dafür rund 100 000 Preise erhoben – vor Ort in Verkaufsstellen, per Telefon, per Webscraping oder über Scannerdaten der Grossverteiler. Massgebend sind die tatsächlich bezahlten Transaktionspreise inklusive indirekter Steuern (MWST, Lenkungsabgaben), Zoll und Subventionen.

Grundlage der Preismessung ist der Warenkorb: Er enthält jene Waren und Dienstleistungen, für die Haushalte im Vorjahr am meisten Geld ausgegeben haben, und ist in 13 Hauptgruppen unterteilt. Was häufig konsumiert wird, erhält mehr Gewicht. Das Gesamtgewicht beläuft sich stets auf 100 Prozent.