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Von Niedrigwasser bis zu hohen Wassertemperaturen: Die Jahre 2024 und 2025 zeigen, wie stark die Wassermenge und die Temperatur des Rheins schwanken. Diese Bedingungen fordern die Schifffahrt und das Ökosystem heraus.
12.11.2025
Über eine Länge von rund 7 Kilometern schlängelt sich der Rhein durch Basel. Beim Dreiländereck verlässt er die Schweiz und fliesst nach Deutschland und Frankreich weiter. Der Rhein ist Taktgeber – im Winter ziehen Nebelschwaden über ihn, im Sommer tummeln sich Schwimmende mit bunten Säcken im Wasser. Ein Höhepunkt ist das offizielle Rheinschwimmen. Der Anlass findet seit 1980 statt und zieht tausende Menschen an. Am 12. August 2025 nahmen rund 5500 Personen teil.
Der Rhein teilt die Stadt. Linksrheinisch liegt Grossbasel, gegenüber Kleinbasel. Fünf Brücken und vier Rheinfähren verbinden die beiden Stadtteile. Die Rheinfähren hängen an einem Stahlseil und nutzen die Strömung des Flusses als Antrieb. Ein Antrieb der stark von der Wassermenge abhängt, die der Rhein führt.
Wie sich die Abflussmenge und die Temperatur im Jahresverlauf verändern, zeigt die folgende Grafik. Jeder Tag ist ein Balken, die Breite steht für die mittlere Abflussmenge pro Tag, die Farbe für die mittlere Wassertemperatur am selben Tag. Die Grafik zeigt die Daten für März bis August 2025.
März bis August 2025
Der langjährige mittlere Niedrigwasserabfluss liegt bei 527 m³/s. Im März 2025 unterschritt der Rhein diesen Wert an 10 Tagen, im April an 14 Tagen.
Bei Niedrigwasser werden die Fähren langsamer. Kommen Böen hinzu, drückt der Wind stärker als die Strömung. Die Fähre steht still. Im April 2025 wurde daher der Betrieb der St. Alban-Fähre temporär eingestellt.
Ende April endete die Niedrigwasserperiode. Anfang Mai sorgten starke Niederschläge schliesslich für Abflüsse von über 1000 m³/s.
Schwimmerinnen und Schwimmer mussten 2025 lange warten: Erst am 1. Juni überschritt der Rhein im Tagesmittel 18 Grad, die empfohlene Badetemperatur der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft.
Während einer Hitzeperiode Ende Juni und Anfang Juli stieg die durchschnittliche Wassertemperatur des Rheins auf über 25 Grad. Für Bachforellen und Äschen bedeutet das akute Lebensgefahr.
Ende Juli und Anfang August war das Schwimmen im Rhein wegen der Abflussmenge nicht empfohlen. Während acht Tagen lag sie bei über 1500 m³/s.
Das Jahr 2025 war zunächst von Niedrigwasser geprägt. Frachtschiffe aus Deutschland konnten den Weg nach Basel nur mit einem Teil der Ladung fahren. Über die Containerschiffe werden jährlich zwischen 5 und 6 Millionen Tonnen Waren transportiert.
Nicht nur Niedrigwasser hat einen Einfluss auf den Schiffsverkehr, dies zeigt ein Blick auf das Jahr 2024. Im vergangenen Jahr prägten hohe Abflussmengen den Rhein. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf von Abfluss und Temperatur von März bis August 2024 – und damit ein deutlich anderes Bild als 2025.
März bis August 2024
März und April 2024 waren von Regen geprägt. Am 19. März lag die Abflussmenge bei 1643 m³/s.
Zwischen 31. Mai und 5. Juni war der Rhein wegen Hochwassers für die Schifffahrt gesperrt.
2024 mussten Schwimmerinnen und Schwimmer noch länger warten: Erst Ende Juli war Schwimmen wieder empfohlen. Rechtzeitig für das offizielle Rheinschwimmen Mitte August mit rund 4500 Teilnehmenden.
An 7 Tagen erreichte der Rhein 2024 eine Temperatur von 24 °C oder mehr. Dies liegt über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre von 5,9 Tagen.
Die Jahre 2024 und 2025 zeigen exemplarisch die zunehmenden Herausforderungen für das Ökosystem Rhein: In beiden Jahren gab es über mehrere Tage Wassertemperaturen über 20 °C. Im Jahr 2024 waren dies insgesamt 62 Tage, 2025 bisher 76 Tage. Über die letzten 20 Jahre lag der Durchschnitt bei rund 62 Tagen pro Jahr. Die hohen Wassertemperaturen sind vor allem auf sommerliche Hitzewellen zurückzuführen, die den Rhein zusätzlich aufheizen. Eine solche Hitzewelle führte im Jahr 2025 dazu, dass die mittlere Wassertemperatur an 5 Tagen höher war als 25 °C. Gewässertemperaturen über 20 °C bedeuten für kälteliebende Fische wie Bachforellen und Äschen erheblichen Stress, Temperaturen über 25 °C sind akut lebensbedrohend.
Dieser Artikel ist in ähnlicher Form in der aktuellen Publikation von City Statistics des Bundesamtes für Statistik erschienen. City Statistics informiert über die Lebensqualität in den zehn grössten Städten der Schweiz. Das aktuelle Thema der Publikation ist «Ein Tag in der Stadt».
Der erste Teil der Publikation vergleicht die zehn grössten Städte. Im zweiten Teil hat jede Stadt die Möglichkeit, einen bestimmten Aspekt der urbanen Lebensqualität zu vertiefen. Für Basel hat das Statistische Amt Basel-Stadt den Rhein als Lebensader und Taktgeber porträtiert.
Mehr über das Projekt City Statistics lesen Sie hier: www.citystatistics.ch
Abflussmenge
Die Abflussmenge des Rheins in Basel wird auf der Kleinbasler Seite auf Höhe des Birs-Zuflusses gemessen. Die Messungen werden im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt durchgeführt. Die Daten sind auf dem Datenportal verfügbar. Die Grafik zeigt die mittlere Abflussmenge pro Tag.
Wassertemperatur
Die Wassertemperatur des Rheins wird an der Rheinüberwachungsstation Weil am Rhein kontinuierlich gemessen. Die Messungen erfolgen im Auftrag des Amtes für Umwelt und Energie Basel-Stadt. Die Daten sind auf dem Datenportal verfügbar. Die Grafik zeigt die mittlere Wassertemperatur pro Tag.
Niedrigwasser
Der Schwellenwert für das Niedrigwasser wurde von der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins berechnet. Für den Schwellenwert wurde der langjährige mittlere Niedrigwasserabfluss an 7 aufeinanderfolgenden Tagen (MNM7Q) der Referenzperiode 1961 bis 2010 verwendet.
Weitere Datenquellen
Angaben zu Sperrungen des Rheins stammen von den Schweizerischen Rheinhäfen. Informationen zum Rheinschwimmen werden von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) bereitgestellt.