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Fragen und Antworten zum Dashboard Häusliche Gewalt

Das Dashboard zur Häuslichen Gewalt macht erstmals verschiedene Datenquellen zu diesem Thema für die breite Öffentlichkeit sichtbar. Im Artikel geben die Projektleitenden einen Einblick hinter die Zahlen und erläutern Ziele, Herausforderungen und nächste Schritte.

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Warum braucht es ein Dashboard zu Häuslicher Gewalt?

In erster Linie soll das Dashboard bereits vorhandene Daten an einem Ort bündeln. Zwar liegen Daten zur Häuslichen Gewalt bereits in unterschiedlichen Jahresberichten und Statistiken vor, sie sind jedoch verstreut und nicht für alle Institutionen und die Bevölkerung einfach zugänglich. Indem wir die Informationen in einer Publikation zusammenfassen, entsteht ein umfassendes Bild. Das Dashboard hat das Ziel, das Bewusstsein für Häusliche Gewalt zu schärfen und dieses oft verborgene Problem sichtbar zu machen. Gleichzeitig zeigt es die Möglichkeiten und Grenzen der vorhandenen Daten auf.

Wo lagen die Herausforderungen?

Die Arbeit am Dashboard war von mehreren Herausforderungen geprägt. Zum einen zeigt das vorhandene Datenmaterial nur einen Teil des Phänomens: Meldestatistiken geben zwar Hinweise auf Tendenzen, erfassen jedoch nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle. Das Dunkelfeld ist sehr gross. Die vorhandenen Daten bilden nur das Hellfeld ab, also einen kleinen Ausschnitt der Realität.

Hinzu kommen Unterschiede in der Art und Weise, wie Institutionen Daten erheben. Dadurch wird es schwierig, Entwicklungen direkt zu vergleichen oder eindeutige Schlüsse zu ziehen. Die Daten müssen daher sorgfältig eingebettet und immer mit dem passenden Hintergrundwissen vermittelt werden, um Missverständnisse oder falsche Schlussfolgerungen zu vermeiden.

Eine weitere zentrale Herausforderung betrifft den Datenschutz. Da es sich um sensible Informationen handelt, ist es wichtig, den Partnerinstitutionen zu zeigen, dass das Statistische Amt die Daten sorgfältig und nach etablierten Sicherheitsstandards behandelt und dass die rechtlichen Grundlagen für den Datenaustausch gegeben sind.

Warum sind keine Femizide auf dem Dashboard?

Femizide werden derzeit nicht im Dashboard abgebildet, da es in der Schweiz noch keine rechtliche und statistische Definition des Begriffs «Femizid» gibt. Solange keine klaren Kriterien und keine systematische Erfassung vorliegen, ist eine Darstellung im Dashboard nicht möglich. Auf nationaler Ebene wird derzeit eine Machbarkeitsstudie zur statistischen Erfassung von Femiziden geprüft.

Gewaltmonitoring in Basel-Stadt

Das Dashboard Häusliche Gewalt ist Teil des Projekts Gewaltmonitoring des Kantons Basel-Stadt. Mit Beschluss des Grossen Rats vom 19. Mai 2021 wurde das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) beauftragt, ein systematisches Monitoring aufzubauen. Mit dem Projektstart 2023 übernahm das Statistische Amt Basel-Stadt die operativen Aufgaben und führt die Co-Projektleitung gemeinsam mit der Fachstelle Gewaltschutz und Opferhilfe des JSD.

Ziel des Projekts ist es, die Verbreitung, Ausprägung und Entwicklung von Häuslicher Gewalt systematisch zu erfassen und auszuwerten. Fachstellen und Behörden können so besser die Wirksamkeit ihrer Massnahmen einschätzen, Forschende erhalten fundierte Daten für Analysen und die Medien können die Öffentlichkeit gezielter informieren.

Das Dashboard ist das erste öffentlich zugängliche Ergebnis des Projekts und bietet einen Einblick in die Daten ausgewählter Institutionen.

Wie hat die Zusammenarbeit mit so vielen unterschiedlichen Institutionen funktioniert?

Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen verlief konstruktiv. Wir konnten mit einer Pilotversion des Dashboards früh aufzeigen, welche Vorteile das Bündeln der Informationen an einem Ort bringt. Dadurch konnten wir weitere Institutionen motivieren, ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Trotz anfänglicher Vorbehalte gegenüber der Datenweitergabe überwog der Nutzen, den eine gemeinsame Plattform bietet.

Welche nächsten Ausbauschritte sind geplant?

Geplant ist, das Dashboard schrittweise um weitere Datensätze zu ergänzen. Neben den bisherigen Informationen sollen auch Zahlen zu Sexualisierter Gewalt einfliessen. Möglicherweise entsteht daraus dann auch ein eigenes Dashboard. Das langfristige Ziel des Projekts ist es jedoch, die Wirkung von Massnahmen zur Bekämpfung von Gewalt zu evaluieren. Bei der Häuslichen Gewalt sind dies beispielsweise Wegweisungen oder Gefährderansprachen. Um in Zukunft evidenzbasiert handeln zu können, sind verknüpfte Daten erforderlich.

Kontakt

  • Charlotte Briner, Co-Projektleitung, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Gewaltschutz und Opferhilfe
  • Tobias Erhardt, Co-Projektleitung, Bereichsleiter Methoden & Datenwissenschaft, Statistisches Amt
  • Kevin Zaugg, Fachteamleiter Analyse- und Visualisierungstools & Dashboards, Statistisches Amt