Artikel

Quoten verstehen und einordnen

In Basel-Stadt geht die Zahl der Menschen zurück, die Ergänzungsleistungen zur Invalidenversicherung erhalten. Trotzdem steigt unter den IV-Rentnerinnen und Rentnern die Quote der Personen mit Ergänzungsleistungen. Wie passt das zusammen? Dieser Artikel zeigt, was bei der Interpretation einer Quote beachtet werden muss.

Michael Mülli

 

Ergänzungsleistungen (oder kurz: EL) helfen, falls die Renten der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), der Invalidenversicherung (IV) und andere Einkommensarten die Lebenshaltungskosten nicht decken. Im Jahr 2024 brauchen in Basel-Stadt 7 von 10 Menschen, die eine IV-Rente bekommen, zusätzlich Ergänzungsleistungen.

Sinkende Zahlen, steigende Quote

Der Anteil der IV-Rentnerinnen und Rentner, die zusätzlich auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind, wächst in Basel-Stadt seit 2014. Im Jahr 2014 benötigten rund 62 Prozent der IV-Rentnerinnen und Rentner Ergänzungsleistungen, 2024 waren es 70 Prozent. Die Quote der IV-Beziehenden mit Ergänzungsleistungen ist also gestiegen.

 

Quote der EL zur IV-Rente per Ende Jahr, Basel-Stadt

EL_Quote_ohneTitel.svg

Bedeutet das, dass 2024 tatsächlich mehr Menschen Ergänzungsleistungen erhielten als 2014? Gab es Änderungen bei dieser Sozialleistung? 

Tatsächlich ist die Zahl der Menschen, die Ergänzungsleistungen zur IV bekommen, im selben Zeitraum zurückgegangen: von rund 7'200 auf 6'400 Personen. 

 

Anzahl EL zur IV-Rente per Ende Jahr, Basel-Stadt

Anzahl_IV_Rente_EL_OhneTitel.svg

Warum steigt die Quote, obwohl weniger Menschen Ergänzungsleistungen erhalten? Die Antwort liegt in der Berechnung der Quote.

Zähler und Nenner haben ihre eigene Geschichte

Eine Quote zeigt, wie gross ein Teil im Vergleich zum Ganzen beziehungsweise zur Grundgesamtheit ist. Sie lässt sich als Bruch, als Dezimalzahl oder als Prozentsatz darstellen. Dazu werden zwei Zahlen zueinander ins Verhältnis gesetzt:

Im Zähler ist der Teil, der sich im Fokus befindet. In unserem Fall die Anzahl der Menschen, die zusätzlich zur IV-Rente Ergänzungsleistungen benötigen.

Im Nenner ist die Bezugsgrösse. Im Beispiel die Gesamtzahl der Personen im Kanton Basel-Stadt, die eine IV-Rente beziehen.

Wir setzen die Zahlen aus dem Kanton Basel-Stadt in die Formel ein: Im Zähler sind die ungefähr 6'400 Personen, die Ende 2024 Ergänzungsleistungen zur IV benötigen. Im Nenner sind die rund 9'200 Personen mit IV-Rente. Die Division dieser beiden Zahlen ergibt eine Quote von 70 Prozent. Das ist der aktuelle Stand.

 

Anzahl EL und IV-Renten per Ende Jahr, Basel-Stadt

EL_IV_OhneTitel.svg

Nun blicken wir zurück: 2014 gab es im Kanton Basel-Stadt mehr IV-Rentnerinnen und Rentner und mehr Personen mit Ergänzungsleistungen als 2024. Auf circa 11'500 IV-Renten kamen 7'200 Personen mit Ergänzungsleistungen. Die Quote betrug im Jahr 2014 damit 62 Prozent.

Die Quote ist also in den letzten zehn Jahren gestiegen, während Zähler und Nenner kleiner geworden sind. Auffällig dabei: Die Zahl der IV-Rentenbeziehenden (Nenner) ist stärker zurückgegangen als die Zahl der Personen, die Ergänzungsleistungen beziehen (Zähler). Bei den IV-Renten beträgt der Rückgang 20 Prozent, bei den Ergänzungsleistungen zur IV 10 Prozent. Deswegen ist die Quote zwischen 2014 und 2024 um 7,5 Prozentpunkte gestiegen (69,9 Prozent - 62,4 Prozent = 7,5 Prozentpunkte). Eine steigende Quote bedeutet also nicht zwangsläufig, dass auch die Anzahl der Fälle zunimmt.

Vor- und Nachteile von Quoten

Eine Quote kann steigen, obwohl die zugrundeliegenden Personenzahlen sinken. Das Beispiel verdeutlicht die Vor- und Nachteile von Quoten:

Ein Vorteil: Quoten schaffen Vergleichbarkeit. Sie machen kleine und grosse Gruppen vergleichbar, indem sie Anteile darstellen. Unterschiede in der absoluten Gruppengrösse werden so ausgeglichen. Eine Quote normiert die Vergleichsgruppen. Dadurch lassen sich Quoten auch über die Jahre vergleichen, selbst wenn die Grundgesamtheit schrumpft oder wächst.

Ein weiterer Vorteil: Quoten gewinnen Information, indem sie Zähler und Nenner zusammenfassen. Erst durch die Quote ist das Verhältnis der beiden Zahlen bekannt. Eine reine Fallzahl sagt wenig aus, wenn man nicht weiss, wie gross sie im Verhältnis zur Grundgesamtheit ist.

Quoten setzen zwei Zahlen in ein Verhältnis. Doch hier liegt auch ihr Nachteil: Wir verlieren aus dem Blick, wie gross Zähler und Nenner sind. Die Quote verbirgt die absoluten Zahlen. Wir sehen nur das Resultat der Berechnung. Entsprechend ist Vorsicht beim Betrachten der Entwicklung einer Quote geboten. Insbesondere geht gerne vergessen, dass sich neben dem Zähler auch der Nenner verändern kann - wie im Beispiel der Ergänzungsleistungen zur IV.

Statistische Ämter veröffentlichen Quoten, um für Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vergleichbare und interpretierbare Daten zu schaffen. Darum berechnet das Statistische Amt Basel-Stadt Quoten zu verschiedenen Sozialleistungen, darunter der hier besprochene Anteil der Menschen mit Ergänzungsleistungen.

Das Statistische Amt veröffentlicht auch Fall-, Personen- und Bevölkerungszahlen. Denn wer eine Quote und ihre Entwicklung einordnen möchte, sollte auch die Werte in Zähler und Nenner anschauen können.

Weitere Informationen